Das Wartezimmer einer Praxis nach Praxisschluss: Der Boden glänzt, der Tresen ist sauber, im Waschraum riecht es frisch. Am nächsten Morgen kann dennoch eine Frage aufkommen, auf die der Glanz keine Antwort gibt: Womit, wann und wie lange wurden Türklinke, Tresen und Armatur behandelt? Eine Fläche kann sauber aussehen und trotzdem nicht desinfiziert sein.
Die beiden Begriffe werden oft gleichgesetzt, dabei unterscheiden sie sich in Ziel, Methode und darin, was sich anschließend nachweisen lässt. Eine behördliche oder interne Kontrolle bemerkt diesen Unterschied sofort.
Reinigung: Entfernen des Schmutzes
Ziel der Reinigung ist es, sichtbaren und unsichtbaren Schmutz zu entfernen: Staub, Fett, Flecken, Ablagerungen. Das ist die Grundlage für jeden weiteren Schritt, denn auf einer verschmutzten Oberfläche kann auch ein Desinfektionsmittel nicht richtig wirken: Der Schmutz bildet eine Schicht zwischen Mittel und Oberfläche. Deshalb lässt sich die Reihenfolge nicht umkehren: Erst reinigen wir, dann desinfizieren wir. Was man von einer regelmäßigen Reinigung zu Recht erwarten kann, dazu haben wir haben wir gesondert geschrieben.
Desinfektion: Verringerung der Zahl der Krankheitserreger
Desinfektion reduziert die Zahl der Krankheitserreger auf der Oberfläche – mit einem zugelassenen Wirkstoff, in der vom Hersteller vorgeschriebenen Konzentration und Einwirkzeit. Desinfektionsmittel gelten in der Europäischen Union als Biozidprodukte: Vor dem Inverkehrbringen ist eine behördliche Zulassung erforderlich, und ihr Wirkstoff muss auf EU-Ebene genehmigt sein. Desinfektion ist also keine gründlichere Reinigung, sondern eine eigene Facharbeit mit eigenen Regeln.
Die Einwirkzeit
Die Einwirkzeit ist die Zeitspanne, in der die Oberfläche vom Mittel feucht bleiben muss, damit es seine Wirkung entfalten kann. Wird das Mittel zu früh abgewischt oder trocknet die Oberfläche vorzeitig, verfehlt die Desinfektion ihr Ziel – auch wenn die Oberfläche sauber aussieht. Diese Zeit ist auf dem Etikett und in der Gebrauchsanweisung des Mittels angegeben und kann je nach Mittel und sogar je nach Erreger unterschiedlich sein.
Duft ist kein Beweis
Ein frischer Duft, eine glänzende Oberfläche oder ein starker Geruch zeigen keine Desinfektion an. Viele Reinigungsmittel duften, und viele Desinfektionsmittel sind nahezu geruchlos: Über den Zustand einer Oberfläche sagt die Nase wenig. Ebenso ersetzt die Aufschrift „desinfizierende Wirkung“ auf der Flasche nicht die richtige Anwendung: Bleibt das Mittel nicht lange genug auf der Oberfläche, bleibt die Wirkung aus.
Die Konzentration
Auch die Verdünnung ist keine Geschmackssache. Eine zu schwache Lösung wirkt nicht ausreichend, eine zu starke belastet die Oberfläche und die Personen im Raum unnötig. Maßstab ist das vom Hersteller angegebene Verhältnis, nicht die Stärke des Geruchs.
| Reinigung | Desinfektion | |
|---|---|---|
| Ziel | Entfernen der Verschmutzung | Verringerung der Keimzahl |
| Geräte | Reinigungsmittel, Wasser, mechanische Arbeit | Desinfektionsmittel mit zugelassenem Wirkstoff |
| Worauf es ankommt | Die Oberfläche ist sichtbar sauber | Einhaltung von Konzentration und Einwirkzeit |
| Reihenfolge | Immer der erste Schritt | Nur auf sauberen Flächen wirksam |
| Was es belegt | Sichtprüfung | Dokumentation: wann, wo, womit |
Wo Reinigung allein nicht ausreicht
- in Arztpraxen sowie Gesundheits- und Sozialeinrichtungen
- in Küchen und Bereichen mit Lebensmittelkontakt, angepasst an das hauseigene Hygienekonzept
- in Gemeinschaftsräumen: Wartebereichen, Umkleiden, Waschräumen, Klassenzimmern
- nach einer Infektion, Erkrankung oder einem Vorfall, zum Beispiel nach einem Wasserschaden
- vorbeugend auf häufig berührten Flächen: Türklinken, Schaltern, Geländern, Theken
Wie entsteht ein Desinfektionsprotokoll?
- Bestandsaufnahme: Wir erfassen die Räume, das Risiko und die Vorschriften, die der Standort erfüllen muss.
- Protokoll: Wir wählen Wirkstoff und Verfahren aus und stimmen ab, wann der Bereich leer ist.
- Reinigung: Von den zu behandelnden Flächen entfernen wir zunächst den Schmutz.
- Behandlung: Flächendesinfektion an den Kontaktpunkten, bei Bedarf Raumdesinfektion per ULV-Kaltvernebelung, im leeren Raum und unter Einhaltung der Wartezeit.
- Protokoll: schriftliches Protokoll und Sicherheitsdatenblatt der verwendeten Mittel, nach jedem Einsatz.
Sanitärbereiche, also Fliesen, Fugen, Armaturen, WC und Waschbecken, erhalten ein eigenes Protokoll. Küchen und Lebensmittelbereiche richten sich nach den Hygienevorgaben des jeweiligen Standorts, Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen nach ihrem Betrieb: außerhalb der Sprechzeiten bzw. nach dem Tagesablauf.
Worauf es bei einer Kontrolle ankommt
Bei einer Prüfung geht es nicht darum, ob die Fläche sauber aussieht, sondern ob die Desinfektion nachweisbar ist: mit welchem Wirkstoff, wann und auf welchen Flächen sie erfolgte. Das Ergebnis einer Desinfektion ist mit bloßem Auge nicht sichtbar – vorweisen lässt sich daher nur die Dokumentation. Zu jeder Desinfektion erstellen wir ein Protokoll und übergeben auch die Sicherheitsdatenblätter der verwendeten Mittel. Was ein solches Protokoll enthält, zeigen wir hier stellen wir im Einzelnen vor. Bei regelmäßigem Bedarf arbeiten wir mit wöchentlicher oder monatlicher vorbeugender Behandlung im Rahmenvertrag, bei Einzelbedarf mit einem einmaligen Einsatz nach einer Infektion oder einem Vorfall.
Die Reinigung erkennt man am Glanz. Die Desinfektion am Protokoll.
Drei Fragen vor dem nächsten Angebot
Bietet ein Dienstleister Desinfektion an, zeigen drei Fragen schnell, was der Auftraggeber tatsächlich erhält:
- Mit welchem Mittel arbeiten Sie, und erhalten wir das Sicherheitsdatenblatt?
- Wie lange ist die Einwirkzeit des Mittels, und wie stellen Sie sicher, dass die Oberfläche bis dahin nicht antrocknet und niemand sie abwischt?
- Was bleibt nach dem Einsatz schriftlich festgehalten: Datum, Ort, behandelte Flächen, verwendeter Wirkstoff?
Gibt es darauf keine präzisen Antworten, erhält der Auftraggeber eine Reinigung, die nur Desinfektion heißt.
