Am Vormittag wirkt jedes Fenster sauber. Dann scheint am Nachmittag die Sonne schräg auf das Glas, und Bögen, Streifen und ein Schleier in den Ecken kommen zum Vorschein. Die meisten greifen dann zu einem stärkeren Mittel, dabei liegt der Streifen selten am Mittel. Viel häufiger liegt er am Zeitpunkt, am Werkzeug und an der Reihenfolge – also an der Technik.
Woher kommen die Streifen?
Ein Streifen ist immer ein Rückstand: Reinigungsmittel, das nicht vollständig abgezogen wurde, Mineralien aus dem Wasser, Fusseln vom Wischtuch oder verschmiertes Fett. Um welchen es sich handelt, lässt sich meist an der Form des Streifens ablesen – und daraus auch, was man anders machen sollte.
| Was Sie sehen | Wahrscheinliche Ursache | Was Sie anders machen sollten |
|---|---|---|
| Bögen und Streifen in Wischrichtung | Zu viel Reinigungsmittel, abgenutzter oder verschmutzter Abziehgummi | Weniger Mittel, intakte Gummilippe, Abwischen der Kante nach jedem Zug |
| Kleine weiße Punkte nach dem Trocknen | Hartes Wasser: Die Mineralien im Wasser lagern sich ab | Zügig und gründlich abziehen; Wasser darf auf dem Glas nicht antrocknen |
| Flusen, feine Fasern | Küchenpapier oder alte Lappen | Abzieher, für die Ränder ein fusselfreies Tuch |
| Grauer Schleier, im Gegenlicht sichtbar | Verschmiertes Fett oder Fingerabdrücke | Erst das Fett lösen, dann abziehen |
| Ablaufspuren am unteren Glasrand | Später vom Rahmen tropfendes Wasser | Erst Rahmen und Zarge, dann das Glas |
Zeitpunkt: im Schatten, nicht in praller Sonne
Ist das Glas warm, trocknet die Reinigungslösung schneller, als man sie abziehen kann, und die Reste hinterlassen Streifen. Bei bedecktem Himmel, auf der Schattenseite des Gebäudes oder morgens und am späten Nachmittag, wenn die Sonne nicht direkt auf das Glas scheint, geht es deutlich leichter. Es lohnt sich, die Fenster dem Sonnenstand folgend nacheinander zu reinigen: zuerst die Seite, die gerade im Schatten liegt.
Bei Frost sollte man außen jedoch nicht nass arbeiten: Das Wasser kann auf dem Glas und an der Rahmendichtung gefrieren, und statt Streifen bleibt Eis zurück.
Geräte: Abzieher, Tuch, wenig Reinigungsmittel
Der Abzieher
Professionelle Fensterreinigung arbeitet mit dem Abzieher, nicht mit dem Lappen. Die Gummilippe muss intakt und elastisch sein: Ein eingerissener oder verhärteter Gummi hinterlässt bei jedem Zug an derselben Stelle einen feinen Streifen. Nach jedem Zug wird die Lippe abgewischt, sonst trägt der nächste Zug den Schmutz zurück aufs Glas.
Das Tuch
Papiertücher und alte Lappen fusseln und verschmieren den Schmutz eher, als dass sie ihn aufnehmen. Ein Tuch braucht man an den Rändern und in den Ecken, wo der Abzieher nicht hinkommt: Dafür eignet sich ein fusselfreies, sauberes Mikrofasertuch — und nicht dasselbe, mit dem der Rahmen gewaschen wurde.
Wasser und Reinigungsmittel
Zu viel Reinigungsmittel ist eine der Hauptursachen für Schlieren. Wenig, gut gelöstes Mittel genügt; entscheidend ist das gründliche Abziehen. Bei hartem Wasser ist es schwieriger, denn das Wasser selbst hinterlässt beim Trocknen Spuren; deshalb muss zügig und überlappend abgezogen werden. Bei hohen Flächen arbeiten wir mit einem Reinwassersystem: Es reinigt mit entmineralisiertem Wasser, das nach dem Trocknen keine Flecken hinterlässt.
Die Reihenfolge, Schritt für Schritt
Kommen Rahmen und Fensterbank erst nach dem Glas an die Reihe, ruiniert das herabtropfende Schmutzwasser die frisch gereinigte Fläche. Deshalb zählt die Reihenfolge mindestens so viel wie das Werkzeug.
- Fensterbank freiräumen, Staub und Spinnweben trocken von Rahmen und Schiene entfernen.
- Rahmen, Laibung und Wetterschenkel abwaschen, damit später kein schmutziges Wasser auf das Glas tropft.
- Das Glas mit Wasser und wenig Reinigungsmittel befeuchten und den Schmutz anlösen; bei fettigen Flecken und Fingerabdrücken etwas länger.
- Abziehen: zuerst ein Streifen entlang des Rahmens, dann gleichmäßige, überlappende Züge; nach jedem Zug die Gummilippe abwischen.
- Ränder und Ecken mit einem fusselfreien Tuch nacharbeiten.
- Die Fensterbank am Ende abwischen, denn hier sammelt sich das gesamte abtropfende Wasser.
- Kontrolle im Streiflicht, aus mehreren Blickwinkeln: Was von vorn nicht sichtbar ist, zeigt sich von der Seite.
Streifen liegen selten am Reinigungsmittel. Fast immer der Methode: zu viel Mittel, warmes Glas, falsche Reihenfolge.
Einige hartnäckige Irrtümer
- „Mehr Mittel, sauberere Scheibe.“ Im Gegenteil: Was nicht abgezogen wird, zeigt sich nach dem Trocknen als Streifen.
- „Essig hilft gegen alles.“ Saure Mittel können Fensterbänke aus Stein und Marmor dauerhaft schädigen; die Lösung für das Glas darf daher nicht gedankenlos darauf gelangen.
- „Der Rahmen kann warten.“ Neben einem schmutzigen Rahmen wirkt auch sauberes Glas vernachlässigt, und das vom Rahmen herablaufende Wasser verschmutzt auch das Glas.
- „Bei Sonnenschein sehe ich wenigstens, was ich tue.“ Sehen schon – aber die Lösung trocknet schneller, als man sie abziehen kann.
Was hinter dem Glas liegt
Ein Fenster ist erst dann wirklich in Ordnung, wenn auch Rahmen, Zarge, Schiene, Rollladen und Insektenschutzgitter an die Reihe kommen. Diese Stellen bleiben bei der regelmäßigen Reinigung meist außen vor; weitere solche Stellen haben wir im Artikel über die verborgenen Stellen der Grundreinigung zusammengestellt. Bei der Fensterreinigung reinigen wir Rollläden auf Wunsch Lamelle für Lamelle; Fliegengitter nehmen wir ab, waschen sie und setzen sie wieder ein.
Wenn die Fläche groß ist oder hoch liegt
Ein Fenster im Erdgeschoss lässt sich mit dieser Technik auch zu Hause sauber reinigen. Bei Schaufenstern, Glasfassaden, Fenstern in oberen Etagen oder an Galerien zählen neben der Technik jedoch auch Ausrüstung und Sicherheit; darüber haben wir im Artikel über Fensterreinigung in der Höhe geschrieben. Wir reinigen innen und außen, samt Rahmen und Fensterbank, mit eigenem Gerät und eigenen Mitteln. Der Test für das Ergebnis ist derselbe wie am Anfang des Artikels: die Nachmittagssonne, die schräg auf das Glas fällt.
